Ein tolles Signal". Die kleine Gemeinde Hebertshausen stellt von sich aus mitten im Dorf ein Grundstück bereit.

Von Petra Schafflik, Hebertshausen

Die Gemeinde Hebertshausen möchte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufnehmen. Auf einem Grundstück mitten im Dorf sollen dafür Unterkünfte entstehen. Die Entscheidung, zusätzlich zu den im ehemaligen Altenheim Deutenhofen untergebrachten Asylbewerbern weitere und dabei gezielt jugendliche Flüchtlinge aufzunehmen, traf der Gemeinderat am Dienstag in nicht-öffentlicher Sitzung.

"Das Votum war einstimmig", sagt Bürgermeister Richard Reischl (CSU). Das Zusammenleben mit den bereits im Dorf lebenden Flüchtlingen laufe spannungsfrei. "Deshalb wollen wir einen weiteren Beitrag leisten", sagt Reischl. Als "tolles Signal, erneut weitere Verantwortung zu übernehmen", lobt Landrat Stefan Löwl (CSU) das Votum des Hebertshausener Gemeinderats.

Der Beschluss des Rats ist wohlüberlegt: Das bereitgestellte Areal an der Freisinger Straße gehört der Gemeinde und ist damit sofort verfügbar. Auf der Stelle kann der Landkreis als zuständige Behörde nun mit Planungen beginnen, um dort eine Unterkunft für 40 bis 70 junge Menschen zu errichten, sagt der Bürgermeister. Auch die Infrastruktur stimmt. Die künftige Unterkunft liegt direkt gegenüber der Volksschule, die noch Kapazitäten hat. "Wir werden uns dieser Aufgabe stellen", erklärt Schulleiterin Ilse Oftring-Thomas zuversichtlich.

Schutz der Dorfgemeinschaft

Vor allem aber sieht sich Hebertshausen als Ort gut vorbereitet, um Jugendlichen nach ihrer langen, oft traumatischen Flucht eine herzliche Aufnahme zu bieten. Den "Schutz der Dorfgemeinschaft", verspricht SPD-Sprecherin Marianne Klaffki. "Wir stehen alle voll dahinter", betont Martin Gasteiger. Dem FW-Fraktionsvorsitzenden ist es wichtig, dass die Gemeinde das Heft des Handelns nun in der Hand behält, statt überrollt zu werden. So lasse sich Integration aktiv gestalten. Diese Zuversicht speist sich aus den bisherigen Erfahrungen. Denn nachdem Flüchtlinge im Landkreis lange Zeit nur in der Dachauer Sammelunterkunft lebten, war Hebertshausen 2013 die erste Landgemeinde, die Asylbewerber aufgenommen hat.

Seitdem gibt es in der 5600 Einwohner-Gemeinde einen äußerst engagierten Helferkreis. Auch die Bürger haben sich gut damit arrangiert, dass im Ort nun 62 Flüchtlinge leben. Bürgermeister Reischl bemüht sich explizit, Asylbewerber zu integrieren. Drei von ihnen arbeiten im gemeindlichen Bauhof, bei Aktionen im Dorf helfen Flüchtlinge wie selbstverständlich mit. "Wir haben Nullkommanull Probleme mit der Akzeptanz in der Bevölkerung", sagt Reischl. Genau darauf will die Gemeinde aufbauen. Stabilität, Sicherheit und Schutz wolle man jungen Flüchtlingen bieten, die im Ort zur Ruhe kommen und sich eine Zukunft aufbauen sollen, sagt Klaffki. Das sei "ein Akt der Mitmenschlichkeit".

Patenschaften für Flüchtlinge

Konkret denkt die SPD-Sprecherin an Patenschaften, die Hebertshausener für einzelne Flüchtlinge übernehmen könnten. Vor allem die örtliche Jugend könnte den jungen Flüchtlingen helfen, sich rascher zurechtzufinden in der neuen Umgebung und in der fremden Sprache. Der Sportverein werde gefragt sein, ergänzt der Rathauschef. Auch hoffe er, dass Bürger sich persönlich engagieren und Vormundschaften für junge Flüchtlinge übernehmen. "Ich bin überzeugt, dass wir das gut stemmen", sagt Klaffki.

Das Engagement der Gemeinde Hebertshausen erleichtert Landrat Löwl die schwierige Aufgabe, mehr und mehr auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Landkreis unterzubringen. 56 junge Flüchtlinge leben nach Auskunft von Wolfgang Reichelt, Pressesprecher des Landratsamts, bereits im Kreis. In Weichs werden gerade 50 weitere junge Asylbewerber erwartet, in Haimhausen wird eine Unterkunft vorbereitet. Weil der Landkreis bis Jahresende 160 junge Flüchtlinge aufnehmen muss, kommt das Engagement von Hebertshausen zum richtigen Zeitpunkt. Jetzt gelte es, die Realisierung einer Unterkunft samt notwendiger Betreuung konkret zu prüfen. "Wir werden das vorrangig angehen", sagt der Landrat.