Richard Reischl - 100 Tage im Amt - SZ Bericht vom 18.08.2014

Der Halbleiter

Hebertshausens neuer Bürgermeister Richard Reischl hat im Gemeinderat ein Klima der Kooperation geschaffen. Schwierigkeiten bereitet ihm nur der Beschluss, dass das Amt des Rathauschefs ehrenamtlich geführt werden muss.Von Petra Schafflik

Hebertshausen – Auf dem Schreibtisch stapeln sich Akten, kleine Notizzettel erinnern an wichtige Anrufe, aber Richard Reischl (CSU) strahlt. Das Bürgermeisteramt macht ihm Freude, als kommunikativer Mensch fühle er sich genau am richtigen Platz. Allerdings gestaltete sich sein Start im Amt unerwartet nervenaufreibend. Zwar haben die Hebertshausener den 37-Jährigen mit klarem Votum im ersten Wahlgang zum neuen Rathauschef bestimmt. Doch geschlagene vier Monate habe er seitdem „verhandelt und gekämpft“, um den Übergang von seiner beruflichen Tätigkeit als Lehrer an der Münchner Meisterschule für Elektrotechnik hinüber ins Bürgermeisteramt zu regeln.

Schwierig gestaltete sich die Sache, weil in Hebertshausen anders als in vielen vergleichbaren Kommunen der Bürgermeister ehrenamtlich, nicht hauptberuflich tätig ist. Das hat der Gemeinderat zum Ende der vorigen Legislaturperiode mit der Stimmenmehrheit von SPD und Freien Wählern explizit so bestimmt. Eine politisch motivierte Entscheidung, die Reischl diplomatisch als „ein bisschen unklug“ beurteilt. Denn anders als hauptamtliche Rathauschefs konnte der beamtete Lehrer Reischl sich für sein kommunales Ehrenamt nicht ohne gravierende Folgen von der Berufstätigkeit freistellen lassen. Als Kompromiss erreichte Reischl schließlich eine Teilzeitregelung. Für vier Schulstunden pro Woche wird der Bürgermeister auch künftig angehende Elektromeister unterrichten. Seinem Engagement für die Gemeinde werde dies aber definitiv keinen Abbruch tun, verspricht Reischl.

Wo von außen Hürden aufgebaut wurden, hätten dagegen Verwaltungsteam und Amtsvorgänger Michael Kreitmeir ihn als neuen Rathauschef engagiert unterstützt. „Mitarbeiter haben sogar auf Urlaub verzichtet, damit wir hier vorwärts kommen“, sagt Reischl. Auch das Klima im Gemeinderat sei geprägt vom Miteinander. Dass ihm seine CSU-Fraktion trotz der eigenen Mehrheit im Gemeinderat gefolgt ist im Wunsch, das Amt des Zweiten Bürgermeisters den Freien Wählern zu überlassen, die Martin Gasteiger nominierten, „darüber bin ich froh“, so Reischl. Diese Entscheidung, habe „einige Türen geöffnet“, im Gemeinderat zögen definitiv alle an einem Strang.

Für den neuen Bürgermeister geht es natürlich erst einmal darum, Projekte abzuarbeiten, die längst beschlossen sind, wie etwa die Erweiterung des Bauhofs in Ampermoching oder die neue Aussegnungshalle am Friedhof. Überhaupt werde 2015 ein „Jahr des Bauens“, so Reischl.

Denn die Fraktionen sind übereingekommen, am alten Feuerwehrhaus statt der beschlossenen provisorischen Mensa plus Hortgruppe „einen kompletten Neubau für Kinder aller Altersgruppen von der Krippe bis zum Hort zu errichten“. Noch im September werde der Gemeinderat den entsprechenden Beschluss fassen. Mit diesem Kinderhaus geht die Gemeinde in Vorleistung, denn aktuell gibt es freie Betreuungsplätze. Doch ein Baugebiet in Unterweilbach wird gerade entwickelt, zudem setzt die Gemeinde auf moderates Bevölkerungswachstum durch Bauland-Entwicklung. In einer Klausur wird der Gemeinderat im Januar künftige Bauflächen festlegen. Alle potenziellen Areale liegen in der Ortsmitte und bieten Platz für eine größere Anzahl von 50 bis 60 Bauplätzen. Mit Blick auf diesen absehbaren Zuzug gelte es die Kinderbetreuung aufzustocken.

Aber auch für die ältere Generation soll mehr getan werden, das hatte Reischl im Wahlkampf versprochen. Ein Arbeitskreis Senioren ist bereits im Juli gestartet, der nun bei den 1500 Bürgern über 60 Jahren deren Bedürfnisse und Wünsche erfragen soll. Denkbar seien Projekte wie Tagespflege, betreutes Wohnen, Seniorencafé oder Mehrgenerationenhaus.

Dezidiert größte Herausforderung seiner Amtszeit sei aber die Sicherung des Schulstandorts Hebertshausen, betont Reischl. Weil die Übertrittsquoten an weiterführende Schulen ständig steigen, sei die Mittelschule in der bisherigen Systematik „nicht mehr lange gesichert“, da macht sich der Bürgermeister nichts vor. Einfach zuwarten kann die Gemeinde nicht, denn das Schulhaus muss in den nächsten Jahren saniert werden. Um nicht für teures Geld ein Gebäude herzurichten, das dann nicht mehr gebraucht wird, muss ein auf längere Frist tragfähiges Konzept her. Gespräche und Überlegungen gebe es, bestätigt Reischl. Derart gewichtige Themen benötigten Zeit. Voraussichtlich im Herbst „wird das spruchreif.“

Umso mehr freut sich der Bürgermeister, kleinere Verbesserungen sofort umzusetzen. „Es ist schön, dass man so von Anfang an Akzente setzen kann.“ Wie mit der wöchentlichen Bürgersprechstunde, die „sehr gut angenommen wird“. Oder dem Parkplatz am Sportgelände, für den der Gemeinderat auf seine Initiative hin nach jahrelangem Hin- und Her im Juni eine Zuschuss-Lösung gefunden hat. „Jetzt ist durch das Engagement der ehrenamtlichen Helfer der Parkplatz schon fast fertig.“ Erfreulich ist für ihn als Bürgermeister auch die Aufgabe, künftig als Standesbeamter der Gemeinde auch Trauungen zu vollziehen. Bevor er aber im Herbst das erste Hebertshausener Paar vermählt, feiert er am 12. September selbst Hochzeit mit Lebensgefährtin Verena Broy. Als verheirateter Mann, sagt Reischl lachend, könne er künftig dann Brautleuten die Bedeutung des Eheversprechens viel überzeugender nahe bringen.

Wetter

wetter.de Wetter-Widget
Wetterdaten werden geladen
Wettervorhersage Hebertshausen
Aktuelles Wetter aufwww.wetter.de